Eine weitere typische Patientenfrage aus unserer Sprechstunde lautet: „Seit einiger Zeit schmerzt mein Daumen beim Greifen immer stärker. Besonders das Öffnen von Flaschen oder das Drehen eines Schlüssels tut weh. Ist das Arthrose – und was kann ich dagegen tun?“
Tatsächlich können genau diese Beschwerden auf eine sogenannte Rhizarthrose hinweisen. Dahinter verbirgt sich eine Arthrose des Daumensattelgelenks. Sie gehört zu den häufigsten Verschleißerkrankungen der Hand und kann im Alltag besonders störend sein. Denn erst wenn der Daumen schmerzt, merken viele Menschen, wie oft sie ihn tatsächlich benötigen: beim Schreiben, Anziehen, Kochen, Öffnen einer Flasche oder einfach beim kräftigen Zugreifen.
Die Diagnose Rhizarthrose bedeutet allerdings keineswegs automatisch, dass operiert werden muss. Gerade im frühen und mittleren Stadium gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Schmerzen zu reduzieren und die Funktion des Daumens möglichst lange zu erhalten.
Was ist eine Rhizarthrose überhaupt?
Die Rhizarthrose ist eine Arthrose des Daumensattelgelenks. Dieses Gelenk befindet sich an der Daumenbasis und verbindet den ersten Mittelhandknochen mit einem kleinen Handwurzelknochen, dem sogenannten großen Vieleckbein.
Das Daumensattelgelenk ist ein ausgesprochen bewegliches Gelenk. Es ermöglicht uns, den Daumen den anderen Fingern gegenüberzustellen. Genau diese Bewegung brauchen wir beim Greifen, Schreiben, Öffnen einer Flasche oder beim Halten eines Glases.
Diese große Beweglichkeit hat allerdings ihren Preis: Das Gelenk wird im Laufe des Lebens stark beansprucht.
Bei einer Rhizarthrose wird der Gelenkknorpel zunehmend dünner. Dadurch verändern sich die Gelenkflächen und Bewegungen können schmerzhaft werden.
Woran merke ich eine Rhizarthrose?
Typisch sind Schmerzen an der Daumenbasis.
Anfangs treten sie häufig nur bei bestimmten Belastungen auf. Besonders unangenehm sind Bewegungen, bei denen gleichzeitig Kraft und eine Drehbewegung erforderlich sind.
Viele Patienten bemerken die Beschwerden deshalb zuerst beim Öffnen eines Schraubglases, beim Auswringen eines Tuchs, beim Drehen eines Schlüssels oder beim kräftigen Zugreifen.
Später kann auch die Kraft im Daumen nachlassen. Gegenstände werden unsicherer gehalten und bestimmte Handgriffe zunehmend vermieden.
Bei einer fortgeschrittenen Arthrose kann das Gelenk sichtbar verändert sein. Manche Patienten haben dann auch Schmerzen in Ruhe oder nachts.
Warum entsteht eine Rhizarthrose?
Eine einzelne Ursache gibt es meistens nicht.
Das Daumensattelgelenk gehört zu den Gelenken, die im Alltag besonders häufig und vielseitig belastet werden. Mit zunehmendem Alter kann sich der Gelenkknorpel verändern und abnutzen.
Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, insbesondere nach den Wechseljahren. Neben hormonellen Faktoren spielt wahrscheinlich auch die individuelle Anatomie des Gelenks eine Rolle.
Auch eine familiäre Veranlagung kann vorhanden sein. Frühere Verletzungen oder eine besondere Instabilität des Daumensattelgelenks können das Risiko zusätzlich erhöhen.
Das bedeutet aber nicht, dass eine Rhizarthrose einfach dadurch entsteht, dass man „zu viel mit den Händen gearbeitet“ hat.
Ist jeder Verschleiß im Röntgenbild behandlungsbedürftig?
Nein.
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wir sehen immer wieder deutliche arthrotische Veränderungen im Röntgenbild bei Menschen, die erstaunlich wenige Beschwerden haben.
Umgekehrt können Patienten bereits bei weniger ausgeprägten Veränderungen erhebliche Schmerzen haben.
Deshalb behandeln wir nicht allein das Röntgenbild. Entscheidend ist, ob Sie Schmerzen haben, wie beweglich der Daumen ist, wie viel Kraft vorhanden ist und welche Einschränkungen im Alltag bestehen.
Ein Röntgenbild mit der Diagnose Rhizarthrose bedeutet also nicht automatisch, dass eine Behandlung oder sogar eine Operation notwendig ist.
Soll ich den Daumen möglichst wenig bewegen?
Viele Patienten sind hier zunächst vorsichtig: „Wenn der Knorpel schon abgenutzt ist, sollte ich den Daumen dann nicht lieber schonen?“
Eine dauerhafte Schonung ist normalerweise nicht die Lösung.
Der Daumen sollte weiterhin bewegt werden. Wichtig ist vielmehr, starke und immer wiederkehrende Belastungsspitzen zu reduzieren.
Es kann beispielsweise helfen, Bewegungsabläufe im Alltag etwas zu verändern, Hilfsmittel zum Öffnen von Flaschen oder Gläsern zu verwenden oder sehr kraftvolle Greifbewegungen nicht ständig zu wiederholen.
Auch gezielte Handtherapie kann sinnvoll sein. Dabei geht es unter anderem darum, die Muskulatur zu kräftigen, die Gelenkführung zu verbessern und Bewegungen möglichst gelenkschonend auszuführen.
Welche Behandlung hilft ohne Operation?
In vielen Fällen können wir eine Rhizarthrose zunächst konservativ behandeln.
Eine spezielle Daumenschiene kann das Sattelgelenk stabilisieren und insbesondere bei stärkeren Belastungen entlasten. Sie muss nicht zwangsläufig den ganzen Tag getragen werden, sondern kann gezielt eingesetzt werden.
Bei akuten Beschwerden können vorübergehend entzündungshemmende Schmerzmittel sinnvoll sein, sofern medizinisch nichts dagegenspricht.
Auch Wärme oder Kälte können angenehm sein. Was besser hilft, ist individuell unterschiedlich. Bei einer akut entzündeten und geschwollenen Arthrose empfinden viele Patienten Kälte als angenehmer.
Eine gezielte Hand- oder Ergotherapie kann zusätzlich helfen, die Funktion der Hand möglichst lange zu erhalten.
Helfen Spritzen bei einer Rhizarthrose?
Auch Spritzen können in bestimmten Situationen infrage kommen.
Bei einer stark gereizten oder aktivierten Arthrose kann beispielsweise Kortison vorübergehend die Entzündung und damit auch die Schmerzen reduzieren.
Das kann gerade in einer akuten Schmerzphase hilfreich sein. Allerdings beseitigt eine Spritze die Arthrose nicht und baut auch keinen verlorenen Knorpel wieder auf.
Deshalb entscheiden wir individuell, ob eine Injektion sinnvoll ist und welchen Nutzen wir davon erwarten können.
Kann sich der Knorpel im Daumensattelgelenk wieder aufbauen?
Ein deutlich geschädigter Gelenkknorpel wächst nach heutigem medizinischem Stand nicht einfach wieder vollständig nach.
Das bedeutet aber nicht, dass die Beschwerden zwangsläufig immer schlimmer werden.
Arthrose und Schmerz verlaufen nicht immer parallel. Es gibt Patienten mit deutlicher Rhizarthrose, die über lange Zeit im Alltag gut zurechtkommen.
Das Ziel der Behandlung besteht deshalb nicht darin, ein Röntgenbild wieder „normal“ aussehen zu lassen. Wir möchten Schmerzen reduzieren und dafür sorgen, dass Sie Ihren Daumen möglichst gut und kräftig einsetzen können.
Wann empfehlen wir eine Operation?
Eine Operation kommt vor allem dann infrage, wenn die Schmerzen dauerhaft stark sind und konservative Behandlungen keine ausreichende Verbesserung mehr bringen.
Entscheidend ist die Einschränkung im Alltag. Wenn beispielsweise das Öffnen einer Flasche, das Anziehen, Schreiben oder andere normale Handgriffe trotz Behandlung kaum noch möglich sind, kann eine Operation sinnvoll werden.
Dabei gibt es unterschiedliche Operationsverfahren.
Ein seit vielen Jahren etabliertes Verfahren besteht darin, den von der Arthrose betroffenen kleinen Handwurzelknochen – das große Vieleckbein – zu entfernen. Anschließend wird der Daumen so stabilisiert, dass er weiterhin gut bewegt und belastet werden kann. Je nach Befund und Operateur kommen unterschiedliche Varianten dieses Verfahrens infrage.
Auch andere operative Möglichkeiten können in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Welches Verfahren geeignet ist, hängt unter anderem vom Alter, vom Befund, von der Stabilität des Gelenks und den individuellen Anforderungen an die Hand ab.
Wie lange dauert die Heilung nach einer Operation?
Hier ist etwas Geduld gefragt.
Nach einer Operation wird der Daumen zunächst geschützt und ruhiggestellt. Anschließend beginnt schrittweise die Mobilisation, häufig begleitet durch Handtherapie.
Beweglichkeit und Kraft kommen nicht innerhalb weniger Tage zurück. Gerade kräftiges Greifen und festes Zupacken können über mehrere Wochen oder Monate noch eingeschränkt sein.
Bis die Hand wieder vollständig belastbar ist, können mehrere Monate vergehen. Deshalb sollte eine Operation gut geplant werden – insbesondere bei Menschen, die beruflich stark auf ihre Hände angewiesen sind.
Das Ziel ist eine deutliche Schmerzreduktion bei gleichzeitig möglichst guter Beweglichkeit und Funktion des Daumens.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine Rhizarthrose kann im Alltag ausgesprochen lästig sein, weil wir unseren Daumen bei fast jedem Handgriff benötigen. Trotzdem bedeutet die Diagnose nicht automatisch eine Operation.
Viele Patientinnen und Patienten kommen mit einer Kombination aus gezielter Bewegung, Handtherapie, einer passenden Schiene und einer Anpassung bestimmter Belastungen über lange Zeit sehr gut zurecht.
Unser Rat: Wenn Schmerzen an der Daumenbasis immer häufiger auftreten oder Sie merken, dass Ihnen beim Greifen zunehmend die Kraft fehlt, lassen Sie den Daumen untersuchen. Je genauer wir wissen, woher die Beschwerden kommen und wie ausgeprägt die Arthrose tatsächlich ist, desto gezielter können wir gemeinsam entscheiden, welche Behandlung für Sie sinnvoll ist – und eine Operation ist dabei längst nicht immer der erste Schritt.









